Abwehrzauber
Neue Poesie aus Lettland

Lesung
Gespräch
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Līva Marta Roze © Liga Beatrise Bosa

Kārlis Vērdiņš © Toms Harjo

Elvīra Bloma © Kristine Madjare

An diesem Abend präsentieren wir drei herausragende Dichter:innen, die einen wichtigen Teil des großen Spektrums lettischer Gegenwartslyrik abbilden:

Elvīra Bloma (geboren 1986 in Ogre) ist Dichterin und Übersetzerin aus dem Englischen, Norwegischen und Russischen. Seit 2014 veröffentlicht sie Gedichte. Zwei Bände liegen mittlerweile vor: Izdzēstie attēli (Orbīta 2020, „Gelöschte Bilder“) und Vil)am patīk šie dzejoji (Punctum 2024, „Ihm gefallen diese Gedichte“). Für den jüngsten Band wurde sie mit dem Literaturpreis des Jahres (LaLiGaBa) für die beste dichterische Einzelpublikation ausgezeichnet. Ihre Gedichte sind Erinnerungen an Erinnerungen. Sie stellt darin die einfachen, sich manchmal zu Listen formierenden Fragen, danach, warum der menschliche Körper einem trocknenden Heuhaufen gleicht oder warum die Georgier ein so schönes Alphabet besitzen. Sie erzählt von einem Mädchen, dessen Flötenspiel verabscheut wird, weil es das Rückgrat eines Plattenbaus berührt und dessen Wirbel zum Vibrieren bringt, und vom gemeinsamen Grasrauchen in verlassenen Hütten. Die Säufer auf der Straße sind bei ihr Kosmonauten, die sich der Schwerkraft widersetzen, während die Blässe schlafloser Nächte in den Wänden der Gebäude pulsiert.

Līva Marta Roze (geboren 1998 in Riga) veröffentlicht seit 2020 Gedichte in unterschiedlichen Literaturzeitschriften. Ihr Debütband Struktūra („Struktur“) erschien im letzten Jahr, sie erhielt dafür den renommierten Ojārs Vācietis-Literaturpreis. Durch ihre Gedichte, die immer wieder ins Groteske spielen, spuken Wassergeister, die Kinder durch Abflussrohre in die Kanalisation ziehen. Sie sind voll mit Nachtmahren und Gelichter aller Art. Sportlehrerinnen geraten in den Verdacht, Dämoninnen zu sein, und Kreidekreise werden als Abwehrzauber um Internatsbetten gezogen, um die Herrin der Tiefe fernzuhalten. Es geht um unverschämte Haare und das Eintauchen in den Tanz der Verliebtheit, um Traum-Gazellen, die durch kleinste Netzgitter schlüpfen und manchmal nichts als einen abgetretenen Schuh hinterlassen. Es geht aber auch um den Duft nach Vanille im langen Flur und um die wunderlichen Eigenschaften von Zimt, Rosmarin und Beifuß.

Von Kārlis Vērdiņš (geboren 1979 in Riga) liegen sechs Gedichtbände und vier Kinderbücher vor. Er übersetzte Walt Whitman, Emily Dickinson, W. B. Yeats, T. S. Eliot, Georg Trakl und Charles Simic ins Lettische. Zahlreiche lettische Literaturpreise wurden ihm zugesprochen, und eine Jury des Londoner Southbank Centre nahm sein Gedicht „Come to Me” 2014 in die Liste der 50 größten modernen Liebesgedichte auf. In seinen Texten singen Gedanken leise von ihren Enttäuschungen, während sie dem Dichter übers Haar streichen, und unsichtbare Elefanten werden als Haustiere gehalten. Es ist eine große Sanftmut in ihnen, die von der Parteinahme für die Schwächeren herrührt. Der Ton ist beiläufig, ein prosanahes Parlando, und doch kann sich urplötzlich in einer Säule aus Staub, die über einem nassen Boden tanzt, eine sich vielfach verzweigende Zukunft offenbaren.

Die Gedichte werden eigens für diesen Abend von Lil Reif und Sven Otto ins Deutsche übersetzt.

Im Anschluss an die Veranstaltung lädt die Lettische Botschaft auf ein Getränk eingeladen.

Die Veranstaltung wird lettisch-deutsch gedolmetscht. Eine gemeinsame Veranstaltung von Haus für Poesie und LATVIAN LITERATURE

In Lesung & Gespräch Elvīra Bloma, Līva Marta Roze, Kārlis Vērdiņš
Moderation Irina Bondas