Hoffnung, dieses Ding mit Nägeln
Ein Abend mit Georg Leß & Márió Z. Nemes
An diesem Abend treffen die beiden Dichter Georg Leß & Márió Z. Nemes aufeinander, die in ihren Gedichten eine Vorliebe für alles Abseitige teilen.
Vor elf Jahren erschien von Dichter Georg Leß (geboren 1981 in Arnsberg) der kleine parasitenpresse-Band Schlachtgewicht in klassischer Rückstichheftung, wie sie für Chapbooks üblich ist. Gerade einmal 14 Seiten, die es jedoch in sich haben. Die Leser:innen verschlägt es in eine nächtliche, instabile Welt mit „kräftig durchbluteten Nachbildern“, mit Fangeisen, Zimmerbränden, rauchenden Froschteichen und „Unterholzwünschen“. Zwischen den Versen schleichen Füchse und Kojoten, außerdem gibt es einen Wolf, der als Blindenhund dient, und einen Jäger, der von der eigenen Fährte verschluckt wird. Im letzten Jahr erschien der Nachfolgeband: Schlachtgewicht 2 (Parasitenpresse 2025), und Leß macht auf ungefähr doppelter Strecke genau dort weiter, wo er damals aufhörte. Diese Gedichte sind „hastige Liturgien“, die in „schlundige Fernen“ führen und von der „verknoteten Stille vom Rand“ künden. Sie sind sprachlich so reich (wir hören von Aderlässen, Gruppenröntgenbildern und der Schüchternheit der Großkatzen), dass selbst die Ödnis spendabel wird und der „Einmalhandschuh“ Ambitionen entwickelt.
Márió Z. Nemes (geboren 1982 in Ajka, Ungarn) verbindet mit Georg Leß, dessen Gedichte er zum Teil ins Ungarische übersetzte, eine Vorliebe für alles Abseitige. Wie Leß ist er ein Dichter der Monstren, Mythen und Mutationen. Sein Schaffen stellt einen ebenso effektiven wie lustvollen Anschlag auf den guten Geschmack dar: Er bezieht seine Einflüsse aus der Rekombination scheinbar vertrauter Topoi aus Western, Horror, Film Noir, Pulp und Science Fiction. Dem deutschsprachigen Publikum wurde er 2016 mit dem Gedichtband Puschkins Brüste vorgestellt (Edition Solitude, deutsche Übersetzung: Orsolya Kalász, Monika Rinck und Matthias Kniep). In den Texten dieses Bandes hausen wilde Tiere in Augäpfeln, Morphium-Koffer werden über Altarsteine verschoben und ein halbierter Kentaur raucht seine letzte Zigarette. In der Natur, so wie Nemes sie hier imaginiert, schmatzt es wie in einem Eintopf, und ganz nebenbei verschmilzt Antonin Artaud mit einem gewissen Leatherface (ja, genau, der aus dem Film The Texas Chain Saw Massacre). Sein jüngster Band erschien 2025; er trägt den Titel Irgalom és számonkérés (Barmherzigkeit und Rechenschaft). In diesem Buch werden „die kleinen Dämonologien“ zu großen Worten unseres Daseins. Es geht um nichts weniger als um den Zusammenhang zwischen Barock und Milch und wie man sich aus einer Platte Sülzenspeck einen Himmel erschafft. Einige der Gedichte werden eigens für die Veranstaltung aus dem Ungarischen übersetzt.
Moderation Lara Sielmann
Die Veranstaltung findet auf Deutsch statt.
Gefördert durch: Collegium Hungaricum
- Georg Leß • Márió Z. Nemes
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Ort:
Haus für Poesie
Google Maps
Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei)
10435 Berlin -
Eintritt:
8/5 €
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