10.2.26
Di,
19:30

hallo niemand
Buchpremiere mit Yevgeniy Breyger

Lesung
Gespräch
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© Rafaela Proell, Suhrkamp Verlag

„er erzählte mir die geschichte, wie er im auto fuhr, wie er also / im auto fuhr und versuchte, keinem gedanken zu folgen“. So beginnt Yevgeniy Breygers (geboren 1989 in Charkiw, Ukraine) Roadtrip in Versen, ein erzählendes Langgedicht, dessen wilde Fahrt ihren Anfang im Poesiefestival Berlin 2025 nahm, als Beitrag für Weltklang – Nacht der Poesie, und jetzt im ersten Lyrikband Breygers beim Suhrkamp Verlag mündete: hallo niemand (2026).

Zuvor veröffentlichte er bereits drei Gedichtbände bei kookbooks, zuletzt 2023 Frieden ohne Krieg, für den er unter anderem mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft und dem Klopstock-Preis ausgezeichnet wurde. Der Held dieser Geschichte, genannt „niemand“, macht sich auf, im roten Audi A6, den er von seinen Literaturpreisgeldern gekauft hat, durch Österreich und Deutschland, trifft „die zwillinge harald und helmut, die verfluchten SCHMIDTS“, Gysi, Scholz und März [sic!], tritt im Rolli gegen Alice Weidel an, gerät in eine Demo vor dem Bundestag, bei der Linke und Rechte „in verschiedene mikrofone das gleiche brüllen“, konferiert mit Pater Alfred, G’tt und Gott und stellt sich als Bundeskanzler zur Wahl: „niemand soll bundeskanzler werden, wählt niemand“ und „make germany great again (MGGA)“! Immer drängt der Audi weiter, hält das Ich in Bewegung, seine Identität fluide, treibt es an, denn „wie ihr wisst / ist meine heimat der weg, wie ihr wisst, bin ich verpflichtet / ewig zu rollen“. Anders als Odysseus, dem der Name „niemand“ im Kampf gegen den Zyklopen Polyphem zur Rettung wird, hat dieser Held keine Wahl, kennt kein Zurück, nur ein Voran, und zwar mit „UNsicherheitsgurt“. Wie könntest du auch „großes vollbringen und dabei zu dir finden“ mit Scheuklappen? Die Sprache wird gedehnt und erweitert zur „wortschatzrüstung“, zum Fuhrwerk, das gegen die Grenzen des angeblich Erlaubten drängt. Dabei gilt das Interesse nichts Geringerem als der Zukunft unserer Art, denn, wie die Dichterin Martina Hefter bemerkt, sprechen diese Gedichte bei aller Weltverzweiflung auch „über unseren unbedingten Willen zur Weltrettung“.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Haus für Poesie und Suhrkamp Verlag

In Lesung & Gespräch Yevgeniy Breyger
Moderation Nadja Küchenmeister