das knistern ist high
Lesung & Gespräch mit Elke Heinemann, Seda Mimaroğlu, Christiane Quandt & Erec Schumacher
Die Gedichte dieses Abends folgen wechselnden Signalen. Doch was sie eint, ist ihr Aufspüren aller Geräusche: Geräusche, die sie verstärken und neu arrangieren, zu Bildern aufbäumen, mal melancholisch, lakonisch, bisweilen beißend komisch. Sie nehmen Störimpulse auf, rauschen und summen, treten einmal in kühlen Minimal-Beats auf, ein andermal ereignen sie sich in den Pausen zwischen den Schlägen. So entstehen hybride Gebilde an der Schnittstelle von Klang, Text und Bild. Gelesen wird aus neu erschienenen Bänden bei etcetera press Berlin.
Elke Heinemann, geboren 1961 in Essen, ist Dichterin und lebt in Berlin und Venedig. Ihr Gedichtband gewölk gestein gewässer (etcetera press berlin 2025) bewegt sich zwischen Neugier und Präzision, beschäftigt sich mit unterschiedlichen Beschaffenheiten und Aggregatzuständen von Anorganischem und Organischem. Der Band vereint Gedichte auf Deutsch und Italienisch (übertragen von Cristina Vezzaro) und wird von Fotos von Elke Bludau und Grafiken von Erec Schumacher begleitet. Wahrnehmung erscheint hier als beweglicher Prozess: „awesome / dachte ich oder ehrfürchtig oder nichts“ heißt es mit leisem Humor in einem Gedicht, in dem das lyrische Ich die felsartigen Wolken über dem Meer beobachtet, und dabei „das leichte / das schwere“ sowie „das flüchtige / das ewige“ auszumachen versucht.
Vielschichtig und schmerzlich offen – so beschreibt die Dichterin Maria Stepanova den Band Love Songs (Blue Figure Press 2021) von Seda Mimaroğlu, der im Frühjahr 2026 in deutscher Übersetzung von Andreas Reihse erscheint, mit dem sie als Duo İkili regelmäßig in Soundperformances auftritt. Mimaroğlu ist Dichterin und Künstlerin aus Istanbul und lebt in Berlin. Ihre Sprache seziert Alltagssituationen, tastet an Tagen am Strand nach Kontaktstellen und blickt auf das, was übrigbleibt: Shirt, Schal, Bücher, ein Brief, eine Frage. Die Verse artikulieren sich in „worten aus rinde“ und geben „dem denken etwas zum nagen“.
Christiane Quandt, Autorin und Übersetzerin aus dem Spanischen, setzt in 90 spiegelneurosen (2025) ihre aus Social Media hervorgegangenen autobiografischen und autofiktionalen Einträge fort. Das lyrische Ich befindet sich in ständiger Metamorphose: Es verwandelt sich in Silberfische, Kellerasseln oder eine Jukebox, kullert Blumenbeete hinunter, liest Zutatenlisten und verlängert die Zerbröselungsfrist um fünf Jahre. Getragen von einer „Sprache ohne Zierleisten“ verbindet Quandt scharfen Humor mit Erfahrungen von Vulnerabilität, Neurodiversität und chronischer Krankheit. Begleitet werden die Gedichte von Spiegel-Selfies, in denen uns ein Selbst anblickt, das „wider allen elends personenstatus erreicht [hat]“
Erec Schumacher lebt und arbeitet in Berlin als freier Autor, bildender Künstler, Verleger und Gründer von etcetera press berlin, Veranstalter und Aktivist. Zudem organisierte er 2024 und 2025 das Festival „Multiverse – zeitgenössische Positionen der Visuellen Poesie“. Zuletzt erschienen 2024 unter anderem „neufundland“ bei Moloko Print und Chapbooks mit Visueller Poesie, Cut-ups und Decollagen zuletzt „Bullshit-Tage“ (ecetera press berlin 2025). In neufundland balancieren die Gedichte am Abgrund, fordern die Apokalypse zur Kooperation und zeugen immer von einer widerständigen Solidarität: Menschenketten werden gebildet, jemand zählt von 5 herunter, bis wir uns bei 1 „hellwach, im formationsflug“ befinden.
Moderation Saskia Warzecha
Mit Texten in Deutsch und Englisch. Die Veranstaltungssprache ist Deutsch.
Gefördert durch: Bezirksamt Pankow
- Elke Heinemann • Seda Mimaroğlu • Christiane Quandt • Erec Schumacher
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Ort:
Brotfabrik
Caligariplatz 1, 13086 Berlin
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Eintritt:
Eintritt frei