Lyrik zur Primetime
IG-Live mit Tino Schlench & Tillmann Severin
Bereits zum dritten Mal treffen sich Tino Schlench und Tillmann Severin im Festivalzeitraum auf Instagram und sprechen über zwei Lyrikbände, deren Dichter:innen im Festival auftreten.
Am Montag, den 1.6. unterhalten sich zur Primetime um 20:15 Uhr der Buchblogger, Kritiker und Kurator Tino Schlench und der Autor, Verleger und Übersetzer Tillmann Severin. Es ist die zweite Folge einer Reihe, die wir 2024 zum Poesiefestival gestartet haben, die Ängste und Vorbehalte gegenüber lyrischen Texten zur Sprache bringt, um mehr Vertrauen und Offenheit im Umgang mit dieser besonderen Gattung zu gewinnen.
Und wie sollte man nicht besser darüber sprechen als beim direkten Lesen und Diskutieren von Lyrik selbst?
Diesmal wird es um die beiden Lyrikbände Tagebuch einer Invasion von Oksana Maksymchuk und Kinder von Milena Marković gehen.
In Tagebuch einer Invasion (Edition Lyrik Kabinett bei Hanser 2025, deutsche Übersetzung: Matthias Kniep) liefert uns Oksana Maksymchuk die Chronik eines angekündigten Krieges, der dann tatsächlich eintritt. SIe beschreibt Jahre der „Bittgebete in Ruinen“, der „Wissensübertragung in Zeiten der Besatzung“, aber auch Jahre der Überlebensschuld, in denen verstreute Nachrichten von Verwandten und Freunden eingehen: „Meine Cousine schreibt / sie sei in einem Keller / mit ihrer einjährigen Tochter / ihr Mann eingezogen“. Maksymchuk findet eine lakonisch-präzise Sprache für das, was wir ungenügend als „Grauen“ bezeichnen. Tagebuch einer Invasion wurde von der Kritik gefeiert und steht auf der diesjährigen Liste der Lyrikempfehlungen.
Kinder (Edition Korrespondenzen 2025) ist die siebte Lyrikveröffentlichung von Milena Marković, für die sie mit dem NIN-Preis für den besten Roman des Jahres, einem der wichtigsten Literaturpreise Serbiens, ausgezeichnet wurde. Die deutsche Übersetzung von Mirjana und Klaus Wittmann, Kinder (Edition Korrespondenzen 2025), erhielt den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie. Die Zeilen in Kinder reicht dabei von spöttisch über melancholisch-selbstmitleidig bis zärtlich, wenn sie von Übergriffen in der Kindheit erzählt, dem Gefühl, nicht dazuzugehören; vom frühen, unbedingten Willen, eine Künstlerin zu werden, an die man sich erinnern wird, und „alles vom leben zu kosten selbst wenn es kurz werden sollte“.
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