Papiertheater
Versatorium – Verein für Gedichte und Übersetzen

Workshop
Poesiefestival Berlin 2026
Akademie der Künste
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© Versatorium

Diese Veranstaltung findet innerhalb von Berlin-Karussell. Die Akademie als lebendige Praxis statt.

VERSATORIUM ist ein in Wien gegründetes, seit mehr als zehn Jahren auf den Gebieten Übersetzungspraxis, Übersetzungsforschung, Theorie, Publikation, Dichtung und Theater kollektiv arbeitendes, vielsprachiges Translationsprojekt. VERSATORIUM wurde ins Leben gerufen von jüngeren Übersetzer*innen, Wissenschaftler*innen, Autor*innen, bildenden Künstler*innen und Musiker*innen; gearbeitet wird mit und in vielen Sprachen und Alphabeten. Was als Verein begonnen hat, auf der Grundlage von zumeist ehrenamtlicher Mitarbeit, ist im Lauf der Jahre zu einem internationalen Ort der Grundlagenforschung und der Förderung des literarischen Übersetzens, der Sensibilisierung für Sprachen, für Wort und Buchstabe, und des Widerstands gegen Propaganda geworden. VERSATORIUM ist ein Ort der Forschung, des Spiels, des Handwerks, der Archivierung der Spuren der Übersetzungskunst, mit eigener Werkstatt und Bibliothek in Wien.

Für die Einladung an die Akademie der Künste in Berlin zur Teilnahme an Arnold Dreyblatts Projekt „Berlin-Karussell“ entwickelt Versatorium das Übersetzungs-Format:

P A P I E R T H E A T E R

Hier soll der Versuch unternommen werden, einen Text der Theaterliteratur gemeinsam mit Dramatiker*innen, Schauspieler*innen, Regisseur*innen und Dramaturg*innen, Nachrichtensprecher*innen und Radiostimmen in Form von Probenarbeit zu übersetzen. Übersetzen als Probe, zur Probe, und das Proben von Texten als Übersetzung; Möglichkeit der Flüchtigkeit des Übersetzens, der Unwiederholbarkeit, Übersetzen als Spiel. Diese Arbeit wird von Dokumentation und Forschung begleitet, um das Übersetzen mündlicher Sprache, darstellender Sprache und Sprache auf der Bühne zu untersuchen. Das Übersetzen von Text und das Sprechen von Text kann gleichzeitig erprobt werden.

Für die Arbeitswoche ist die gemeinsame Lektüre, Übersetzung und Probevon Inger Christensens Theaterstück „En vinteraften i Ufa“ aus dem Dänischen vorgesehen – ein bisher unübersetzter Text. In „Vinteraften“ spielen Irina, Mascha, Olga und Natascha – die Referenzen auf Čechovs „Drei Schwestern“ reichen bis in längere zitierte Textpassagen – sie spielen ein Stück über das Sprechen und über das (Theater)Spielen; eine Form surrealen und absurden Meta-Theaters. Es ist aber auch ein Stück, in dem die Stille bestimmend ist, und keine Kommunikation; es ist ein Drama ohne Progress, ohne Prozess. Ein Drama, das sich dem Stillstand nähert. Wie die Schauspielerinnen ihr Stück spielen und sich dabei selbst schreiben, so kann aber im Übersetzen auch die Bühne mitgedacht werden, der Dialog im Fortschreiben des Eigenen und der gemeinsamen Übersetz-ungssituation entstehen, oder überhaupt erst in Gang gesetzt werden.

Benötigt werden ein großer Schreibtisch mit mehreren Sitzmöglichkeiten, Bleistifte und Papier; zusammen bilden sie die Bühne; fast hat es Schiller gesagt: „Die Bretter und die Blätter, die die Welt bedeuten.“

Inhalt der Workshops sind die gemeinsame Lektüre, die Übersetzung aus dem Dänischen und das Proben von Inger Christensens Theaterstück En vinteraften i Ufa – ein Stück über das Sprechen und über das (Theater-)Spielen. Längere Textpassagen referieren auf Anton Tschechows Drei Schwestern.

Die Beteiligung von Interessierten und Museumsbesuchenden ist ausdrücklich erwünscht. Gemeinsam soll die begonnene Übersetzung mit VERSATORIUM fortgesetzt, weiterentwickelt und performativ erprobt werden. Vorkenntnisse sind keine nötig.

Mit Sophia Barthelmes, Anna Eble, Marion Maurin, Mathias Müller, Felix Reinstadler
Gäste Norbert Lange, Phillippe Roepsdorff, Liv Thastum, Mathias Traxler