Les Forces
Poesiegespräch mit Laura Vazquez

Lesung
Gespräch
Poesiefestival Berlin 2026
Atelierraum, silent green
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© Elise Blotière

„In meiner Kindheit waren die Stunden lang, trotzdem habe ich mich nicht umgebracht.“ – so beginnt Les Forces, der zweite Roman der Dichterin Laura Vazquez (geboren 1986 in Perpignan, Frankreich), der mit dem Prix Décembre und dem Prix Les Inrockuptibles ausgezeichnet wurde und unter dem Titel Die Kräfte in deutscher Übersetzung von Sonja Finck im Spätsommer bei park x ullstein erscheinen wird.

Die Heldin in Les Forces ist auf der Suche nach einem wahrhaftigen Leben, außerhalb sozialer Ordnung und kapitalistischer Verwertungslogik, und nach einer Sprache, die über totgelaufene Phrasen und Klischees hinausgeht: „Der Welt geht es schlecht. Die Welt lügt. Und wenn ich ‚Welt‘ sage, meine ich die Menschen.“

Dabei durchläuft sie fünf Stationen: die Kindheit, in der sie bereits eine Entfremdung gegenüber ihrer Umgebung feststellt, die sich mit vorgefertigten Gedanken, Sprechweisen und Lebensmodellen zufrieden gibt; eine Lesbenbar, in der sie Claudie trifft, eine biertrinkende, „uralte Lesbe vergangener Zeiten“, die sie zum Dichten anregt; das Haus der Toten, in das Claudie sie zur weiteren mentalen Reifung überweist; das Gebäude der Sekten, in dem sie groteske Sekten wie die des Schlafs oder der der absoluten Ungewissheit ausprobiert; und schließlich, nachdem sie ihr eigenes Vermisstenbild ausgehängt und die Stadt verlassen hat, die Natur der Berge.

Fast ein wenig irreführend scheint die Genrebezeichnung Roman für dieses stark verdichtete, ironische Genre-Mashup, das in seiner poetischen Reflexion und unglaublichen Bildfülle Vazquez jederzeit im besten Sinne als Lyrikerin entlarvt. Gleichzeitig greift der Text eindeutig die Tradition des Bildungsromans auf, gespickt mit diversen literaturtheoretischen und ideengeschichtlichen Zitaten (Kierkegaard, Weil, Woolf, Bernhard, um nur einige wenige zu nennen), und übersetzt ihn in die Gegenwart der Bildschirme, Aufmerksamkeitsökonomie und Selbstentfremdung, in der uns „unser Dasein nur selten bewusst“ ist.

Laura Vazquez im Gespräch mit Sonja Finck

Die Veranstaltung wird französisch-deutsch gedolmetscht.
Mit freundlicher Unterstützung von ECHOO Konferenzdolmetschen

Gefördert durch: Institut français Berlin