gib mir, gib mir
Poesiegespräch mit Milena Marković
„laufe mein lieber lauf weit weg / du sollst lernen schauen leben vergeben / aber nichts / vergessen.“ Mit diesen Zeilen – und dem ersten Punkt nach 162 Seiten – endet deca (LOM 2021), der autobiografisch geprägte Versroman der Dichterin und Dramatikerin Milena Marković (geboren 1974 in Belgrad).
Es ist ihre siebte Lyrikveröffentlichung, für die sie mit dem NIN-Preis für den besten Roman des Jahres, einem der wichtigsten Literaturpreise Serbiens, ausgezeichnet wurde. Die deutsche Übersetzung von Mirjana und Klaus Wittmann, Kinder (Edition Korrespondenzen 2025), erhielt den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie. Zuvor erschien in deutscher Übersetzung von Peter Urban bereits die Gedichtsammlung bevor sich alles zu drehen anfängt (Edition Korrespondenzen 2017). In beiden Bänden bleibt Marković dem oben genannten Motto treu: aber nichts vergessen. Teilweise schwer erträglich sind die gnadenlos präzisen, bis ins Vulgäre gehenden Beschreibungen ihrer Jugend in einem von Gewalt und Umbruch geprägten Land und ihres gegenwärtigen Zusammenlebens mit dem kognitiv beeinträchtigten Sohn und der dementen Mutter. Das Register reicht dabei von spöttisch über melancholisch-selbstmitleidig bis zärtlich, wenn sie von Übergriffen in der Kindheit erzählt, dem Gefühl, nicht dazuzugehören; vom frühen, unbedingten Willen, eine Künstlerin zu werden, an die man sich erinnern wird, und „alles vom leben zu kosten selbst wenn es kurz werden sollte“. Immer wieder drehen sich die Gedankenkreisel ums Was-wäre-gewesen-wenn, um das unbegreiflich schnell vorbeiziehende Leben und die verlorene Jugend: „komm o komm du frühling / komm noch einmal zu mir / nein ich weiß du kommst nicht / es tut mir so leid dass ich arme / mich nicht mehr aufs motorrad setzen werde“.
Milena Marković im Gespräch mit Ljubica Šljukić Tucakov
Die Veranstaltung wird serbisch-deutsch gedolmetscht.
Mit freundlicher Unterstützung von ECHOO Konferenzdolmetschen
Gefördert durch: Traduki
- Milena Marković
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Ort:
Atelierraum, silent green
Gerichtstraße 35, 13347 Berlin
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Eintritt:
9/7 €
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