Ich habe die Buchstaben wie Wasser vermehrt
Poesiegespräch mit Stanisław Kalina Jaglarz
Stanisław Kalina Jaglarz (1991 in Katowice) ist der Shootingstar der polnischen Dichtung und eine der wichtigsten queeren Stimmen des Landes. Zwei Gedichtbände liegen von ihm vor: gościć sójki (etwa: Eichelhäher beherbergen, 2022) und zajęczy żar (etwa: Hasenglut, 2024).
Mit seinem Debüt war er für den renommierten Silesius-Preis nominiert, gleich zweimal (2023 und 2025) stand er auf der Shortlist des noch renommierteren Wisława-Szymborska-Preises. Sein zweiter Band, der zugleich Liebeslied, Lobgesang und Totenklage ist, erhielt den Orpheus-Preis für den besten Gedichtband.
Jaglarz bezieht nach eigenen Angaben seine Schreibimpulse aus tektonischen Bewegungen und dem Stimmengewirr vieler Identitäten (was maßgeblich auch mit seinen Erfahrungen als Transperson in Polen zu tun hat). Sein Werk ist geprägt von einer Idee der radikalen Gastfreundschaft. Es wird in den ökokritischen Diskursen des Post-Anthropozäns verortet, in denen an die Stelle des vormals als absolut gesetzten menschlichen Subjekts ein relationales Gefüge zwischen Mensch, Tier und Natur tritt. Jaglarz sagt, er schöpfe aus den Quellen der die Wirklichkeit konstituierenden Struktur der Atome, jener Materie, aus der alles aufgebaut sei, was uns umgebe. Insbesondere den Tieren fällt dabei eine entscheidende Rolle zu, etwa einer in den warmen Untiefen weidenden Stellerschen Seekuh oder aus dem Dorf vertriebenen Hunden, die am Straßenrand hecheln. In einem seiner Gedichte heißt es: „[ich] möchte sehen, / was die Bremsen sehen, die wachsam über mir schweben, so nah“. In einem anderen: „Werden uns geschmeidige Tiere zu Hilfe kommen, / die an bessere Götter glauben, ohne Krone und Zepter?“
Jaglarz beschwört die Utopie einer möglichen Begegnung in einer „Stille, die Abenteuer bedeutet oder Liebe / oder noch andere Worte, die die menschliche Sprache nicht kennt“. Bei diesem Poesiegespräch liest Jaglarz auch aus bisher unveröffentlichten Gedichten, es sind Texte über eine zornig gestreichelte Leere, gesprochen aus einer „zugefügten Wunde“ und Texte über die Zeit der Transition: „als ich mir einen namen gab wie ein verzweifelter adam, entdeckte ich die korrelation der wörter und die fähigkeit der buchstaben sich zu korallen zu verbinden.“
Die Gedichte der Veranstaltung wurden eigens für das Poesiefestival Berlin übersetzt.
Stanisław Kalina Jaglarz im Gespräch mit Anna Julian Mendlik
Die Veranstaltung wird polnisch-deutsch gedolmetscht.
Gefördert durch: Polnisches Institut Berlin
- Stanisław Kalina Jaglarz
-
Ort:
Atelierraum, silent green
Gerichtstraße 35, 13347 Berlin
Google Maps -
Eintritt:
9/7 €
- → Tickets buchen