Walking among Berlin's exhibited bones
Ein Gang durchs Museum
„Zu Füßen eines klippenhohen Skeletts“ beginnt Brandon Kilbourne in dem Gedicht „The Giraffe Titan I“ einen Gang durchs Naturkundemuseum Berlin. Dieser Gang streift Vergangenheit genauso wie Gegenwart und konfrontiert uns mit den Fragen, wer wir sind und wie wir uns wahrnehmen. An diesem Nachmittag führen vier Dichter:innen mit ihren Gedichten durch das Naturkundemuseum.
Brandon Kilbournes Lebenskosmos der Biologie fand erst in den letzten Jahren seinen Weg in die Poesie. Sein besonderes Interesse gilt den kolonialen Verflechtungen naturkundlicher Sammlungen. Sein Lyrikdebüt Natural History (Graywolf Press 2025), ausgezeichnet mit dem Cave Canem Prize, verfolgt die Evolutions- und Herkunftsgeschichten der Objekte seines Arbeitsumfelds: vom berühmten Skelett des „Giraffatitan brancai“, das aus der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika nach Berlin gelangte, bis zu Dioramen, deren Scheinidyllen eine stille Gewalt bergen.
Lara Rüters Lyrik sinkt in die Ko-Abhängigkeit zwischen Erforschtem und Forschendem. Schon in ihrem Debüt amoretten in netzen (Wunderhorn 2024) widmete sie sich „romantisch dummen“ Tieren, Delfinen, Grönlandhaien und einem weißen Mammut, führte ihre Leser:innen ins Pongoland des Leipziger Zoos, ins Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und in das Atlantis Memorial Reef. Ihre Beobachtungen, menschlich und tierisch, aus fünf Jahren am Primatenforschungsinstitut erschienen im März 2026 in ihrem lyrischen Essayband Affenliebe (Hanser 2026).
Elvira Steppbacher dringt in ihrer Poesie mitten in die angehaltenen Leben der Tiere ein. Dabei übersteigt Obsession die biografischen Lebensfakten und zieht sich hin bis zur akribischen Einschreibung der Präparation der Affenhand Bobbys. In ihrem Band Einst werden wir Endlinge sein (Elif Verlag 2024) erscheinen Tierkörper als Artefakte der Versehrung, als Träger kultureller und kolonialer Erzählungen. So schreibt sie selbst: „Auch Gedichte präparieren, stellen aus. Grund genug, der menschlichen Aneignung tierlicher Biografien Raum zu geben.“
Sabine Scho ist dafür bekannt, ihre Poesie multimedial mit anderen Disziplinen wie der Fotografie, Kunst oder Performance zu verweben. Bereits 2015 entwickelte sie gemeinsam mit Andreas Töpfer die lyrische Intervention The Origin of Senses im Naturkundemuseum, die die Wahrnehmung der Besucher:innen ebenso befragt wie die der ausgestellten Wesen. In ihrem Band Tiere in Architektur (kookbooks 2013) ist es der Zoo, der als Ort dient, um poetisch zu entlarven, wie die Wahrnehmungs- und Erkenntnisweisen des Menschen funktionieren, aber auch anders funktionieren könnten.
Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.
Eine Anmeldung vorab unter mail@hausfuerpoesie.org ist notwendig. Das Ticket für 5€ ist am Veranstaltungstag vor Ort zu erwerben.
- Brandon Kilbourne • Lara Rüter • Sabine Scho • Elvira Steppacher
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Ort:
Naturkundemuseum
Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
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