Regret has many offices
Ein Abend mit Eva H.D. & Karen Solie

Lesung
Gespräch
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Eva H.D. © privat

Karen Solie © privat

An diesem Abend treffen zwei der derzeit wichtigsten kanadischen Lyrikerinnen aufeinander: Eva H.D. und Karen Solie.

Von Eva H.D. liegen bisher drei Gedichtbände vor: Rotten Perfect Mouth (2015), Shiner (2016) und The Natural Hustle (2023). Im Hanser Verlag erschien jetzt mit Wenn alle deine Freunde vom Felsen springen eine reiche Auswahl in souveräner deutscher Übersetzung von Anne-Kristin Mittag und Steffen Popp. Einem größeren, nicht unbedingt lyrikaffinen Publikum wurde Eva H.D. dadurch bekannt, dass ihr Gedicht „Bonedog“ in Charlie Kaufmanns Film I'm Thinking of Ending Things (2020) rezitiert wurde. Sie schrieb außerdem das Drehbuch zu seinem drei Jahre später veröffentlichten Kurzfilm Jackals & Fireflies. In ihren Gedichten schreibt Eva H.D. über Feuerwerk und Feuerameisen, über Raps und Reibereien. Ihre hartgesottenen Held:innen bevorzugen Liebe aus gebrochenem Rot, nicht jene „rüschige Krinolinenliebe, hübsch durch den Pfirsichfilter“. Sie fühlen das Fernsein in ihren Muskeln, sind immer auf dem sprichwörtlichen Sprung, bis sie vom Falken nur noch das Rütteln im Rückspiegel sehen, „ein Tupfer am sonstwiefarbenen Himmel“. Die Texte sind Gebete gesponnen aus manischem Glück, in ihnen wird berichtet vom Fortsingen des Lichts, von der knöchernen Statistik auf Grabinschriften, dem Kreuzknoten des Glücks, „zweifach umzwirnt mit Verzweiflung“, und den großen Rücklagen verlorener Zuversicht. Gleichzeitig enthalten sie wichtige Hinweise für den täglichen Bedarf. So erfahren die Leser:innen zum Beispiel, wie man einen Kater mit der Musik von Brahms lindert.

Die Dichterin Karen Solie wurde in Moose Jaw geboren, ein Ort, dessen Name, würde es ihn nicht bereits geben, einem ihrer Gedichte hätte entsprungen sein können. Sie veröffentlichte insgesamt sechs Gedichtbände, der jüngste, Wellwater, erschien in diesem Jahr. Legendär ist ihr dritter Band Pigeon, für den sie 2010 mit dem renommierten Griffin Prize ausgezeichnet wurde. In der Begründung der Jury, zu der unter anderem Anne Carson zählte, heißt es, Karen Solie könne den Funken der Weisheit noch aus den alltäglichsten Begebenheiten schlagen. Es sind Gedichte über Aufbrüche nach Nirgendwo und die billigen Absteigen, die die Wege dorthin säumen. Von ganz gewöhnlichen Menschen („das einzige Lebewesen, das auf Distanz tötet“) und deren Abgründen wird erzählt, von Dates in verwahrlosten Motellobbys und von dem Wiederaufflammen weit zurückliegender Schulfehden bei Jahrgangstreffen. Ihre Heldinnen tragen Wasser in Pappbechern und einen Hauch milder Verwunderung in ihren Herzen. Leidenschaft ist für sie „nichts als Hitze und schlechtes Timing“. „Wenn Tugend Liebe ist,“, heißt es einmal, „geordnet und gezügelt, dann hat ihr wildes Gegenteil in mir ein Zuhause gefunden. Und wenn Verlangen den Geist verletzt, bin ich davon gezeichnet.“

Die Gedichte von Karen Solie, sie liest aus Wellwater, werden eigens für diesen Abend ins Deutsche übersetzt.

Die Veranstaltung wird englisch-deutsch gedolmetscht. Mit freundlicher Unterstützung von ECHOO Konferenzdolmetschen

In Lesung & Gespräch Eva H.D., Karen Solie
Moderation Steffen Popp