Weltklang – Nacht der Poesie
mit Rudi Burkhardt, Lorna Goodison, Stanisław Kalina Jaglarz, Milena Marković, Valzhyna Mort, Laura Vazquez, Mia You

Lesung
Poesiefestival Berlin 2026
Betonhalle, silent green
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Rudi Burkhardt © Natalia Reich

Lorna Goodison © Hugh Wright

Stanisław Kalina Jaglarz © Michal Korta

Milena Marković © Milan Stošić

Valzhyna Mort © Marco Giugliarelli

Laura Vazquez © Elise Blotiere

Mia You © Wouter le Duc

Ursprung des Festivals und seit jeher einer seiner Höhepunkte: An diesem Abend lesen sieben Dichter:innen aus unterschiedlichen Teilen der Welt in ihren jeweiligen Originalsprachen und zeigen, welche Intensität Poesie nicht nur in stiller Lektüre, sondern gerade im gesprochenen Wort, in der Konzentration einer dichterischen Stimme erzeugen kann. Exklusiv zur Veranstaltung erscheint eine Anthologie zum Mit- und Nachlesen der Gedichte auf Deutsch und Englisch.

Rudi Burkhardt (geboren 1992 in Laupheim) ist einer der subversivsten und zugleich witzigsten Dichter der deutschen Gegenwartsliteratur. Zwei Bücher liegen vor: Wer A sagt (Gutleut Verlag 2018) und Fragmente einer echten Ikone (kookbooks 2024). Für das Langgedicht Gemeine Gotik, aus dem er an diesem Abend Auszüge liest, erhielt er 2025 den Leonce-und-Lena-Preis. Das Poem erzählt von der „großen Anwandlung“, die die titelgebende Gotik aus „mahlendem Maßwerk” befreit, sodass hier selbst die Spitzbögen die Ohren spitzen.

Lorna Goodison (geboren 1947 in Kingston, Jamaika) ist eine der international angesehensten Dichter:innen englischer Sprache. Ihr Name wird in einem Atemzug mit Derek Walcott und Kamau Brathwaite genannt. Von 2017 bis 2020 war sie Poet Laureate of Jamaica. Insgesamt veröffentlichte sie 16 Gedichtbände; zuletzt erschien ihre karibische Neuinterpretation der Göttlichen Komödie: Dante’s Inferno (Carcanet Press 2025). Ihre Texte, deren Versprache bildgewaltig und kolloquial ist - häufig verwendet sie Jamaican Creole (Patwa) neben Standardenglisch - stellen eine intensive Auseinandersetzung mit der jamaikanischen Geschichte und Kultur dar.

Stanisław Kalina Jaglarz (geboren 1991 in Katowice) avancierte mit gerade einmal zwei preisgekrönten Gedichtbänden zu einer der wichtigsten Stimmen der europäischen queeren Literatur: gościć sójki (etwa: Eichelhäher beherbergen, 2022) und zajęczy żar (etwa: Hasenglut, 2024). In seinen Texten nimmt er eine dezidiert nicht-anthropozentrische Perspektive ein, in der die Grenze zwischen Mensch und Natur systematisch destabilisiert wird. Es sind aber auch Gedichte über Bitterkeit, die man hinter sich lässt – wie eine nach der Schlägerei aufgeplatzte Lippe.

Milena Marković (geboren 1974 in Belgrad, Serbien) ist nicht nur Dichterin, sondern auch eine der bekanntesten Dramatikerinnen Serbiens. In ihrem autobiografisch geprägten Versroman deca (LOM 2021), ausgezeichnet mit dem NIN-Preis und in deutscher Übersetzung unter dem Titel Kinder (Edition Korrespondenzen 2025) erschienen, erzählt sie schonungslos offen von ihrer Jugend in einem von Gewalt und Umbruch geprägten Land, von Kindheitstraumata, dem Zusammenleben mit ihrem kognitiv beeinträchtigten Sohn und dem unbedingten Willen, „alles vom leben zu kosten selbst wenn es kurz werden sollte“.

Valzhyna Mort (geboren 1981 in Minsk, Belarus) lebt seit 2005 in den USA und schreibt auf Belarusisch und Englisch. Für ihren letzten Gedichtband Music for the Dead and Resurrected (Farrar, Straus & Giroux 2020) wurde sie mit dem International Griffin Poetry Prize ausgezeichnet. Eindringlich besingen ihre Gedichte die Toten und Unterdrückten und bewahren ihr kollektives Gedenken. Immer wieder kehrt sie in ihnen zurück nach Belarus, nach Minsk, in die „Stadt, deren Gesicht entstellt ist“, in der sich Dächer wie Hände von Toten über den Häusern falten und Straßen Mördernamen tragen.

Laura Vazquez (geboren 1986 in Perpignan, Frankreich) zählt zu den wichtigsten Stimmen der jungen französischen Gegenwartspoesie. Ihr Gedichtband Le livre du large et du long (Éditions du sous-sol 2023) wurde mit dem Prix Goncourt de la Poésie ausgezeichnet. In diesem turbulenten, umfangreichen Versepos in fünf Teilen ist die eigentliche Heldin die Sprache, die sich während der Reise konstituiert und die Welt wie auch das Sein innerhalb ihrer Grenzen erkundet: „Ich werde Euch berichten, was ich von der Welt und den Zeichen, die uns umgeben, gesehen und erahnt habe.“

Mia You (geboren 1980 in Seoul, Südkorea) wuchs in Kalifornien auf und lebt heute in Utrecht. In den Gedichten ihres jüngsten Bands Festival (Belladonna* 2025), der zeitgleich auch auf Niederländisch erschien, vermischen sich K-Pop, Wittgenstein, Freud und Sparkling-Heart-Emojis zum Vexierbild eines Festivals der globalisierten Kultur, in dem sich dysfunktionale Routinen und Diskriminierungsstrukturen wiederholen: „The greatest relationship I’ve ever had is with Empire. / Even before my mother, there was Empire; long after she’s gone, Empire.“

Die Gedichte der Veranstaltung wurden zum Großteil eigens für das Poesiefestival Berlin übersetzt.

Die Dichter:innen werden vorgestellt von Julia Cimafiejeva, Odile Kennel, Awuor Ouma, Tomasz Różycki, Lea Schneider, Alexander Schnickmann, Verica Tričković

Lesungen in Originalsprache mit den deutschen und englischen Übersetzungen zum Mitlesen

Gefördert durch: Institut français Berlin, Polnisches Institut Berlin, Traduki