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19:30
Wolke mit Zähnen
Ein Abend mit Teresa Arijón & Bárbara Belloc
Zwei argentinische Dichterinnen, von denen dieser Tage jeweils ein erster deutscher Auswahlband erscheint, sind zusammen mit ihrer Übersetzerin Silke Kleemann zu Gast im Haus für Poesie:
Teresa Arijón und Bárbara Belloc sind nicht nur wichtige Stimmen der argentinischen Gegenwartslyrik, sondern auch Übersetzerinnen und Herausgeberinnen, verbunden durch eine langjährige dichterische Freundschaft. Unter anderem veröffentlichten sie 2000 nach einem Aufenthalt in einem Tier-Rehabilitationszentrum gemeinsam den Band Orang-utans (La Rara Argentina).
Tiere spielen in Teresa Arijóns (geboren 1960 in Buenos Aires) Werk auch darüber hinaus eine große Rolle. Die Gedichte des deutschen Auswahlbands Gedichte und freilaufende Tiere (hochroth Heidelberg 2025) aus den Jahren 1988 bis 2023 sind bevölkert von Kaninchen, Tauben und Wölfen, die als „Kontaktpunkt“ zwischen der Dichterin und der Welt dienen, wie Silke Kleemann in ihrem Nachwort schreibt. „Die Welt / ist ein Sturm im Auge der Biene, / in den Flügeln des Schmetterlings“, heißt es einmal. Arijóns Gedichte folgen dem „waghalsigen Impuls“, die mehrdeutige Realität im poetischen Sprechen vielfach zu streifen, sie einzukreisen in einem Vers oder einer Metapher. Oder, wie es einmal poetologisch formuliert wird: „du wähltest die poesie wie einer das fischen wählt im reißenden fluss“.
Unter dem Titel So macht die Sonne die Nacht (parasitenpresse 2025) liegen ausgewählte Gedichte Bárbara Bellocs (geboren 1968 in Buenos Aires) in deutscher Übersetzung vor, zusammengestellt aus den Bänden El sonido (Cántico 2023, „Der Klang“), Canódromo (Zindo & Gafuri 2015, „Hunderennbahn“) sowie unveröffentlichten Gedichten. Belloc entwirft in ihren Texten eine eigene mythisch aufgeladene Welt, die gleichzeitig apokalyptisch und zukunftsgerichtet erscheint, „eine Art prophetischer Diskurs der sehenden Dichterin nach der Katastrophe“ (María Moreno). Sehr bildlich beschreibt sie zum Beispiel den „anthropozentrischen Hunde-Kosmos“ einer Hundeausführerin, einen turmalinfarbenen Vogel-Propheten oder eine galaktische Gerichtsszene, „um unsere Performance als Spezies zu beurteilen“, in der Ijon Tichy die Poesie zur Verteidigung der Menschheit aufführt.
Die Veranstaltung wird spanisch-deutsch gedolmetscht. Mit freundlicher Unterstützung von ECHOO Konferenzdolmetschen. Die Teilnahme von Teresa Arijón und Bárbara Belloc wird durch das Artist-in-Residence-Programm Villa Waldberta / Ebenböckhaus der Landeshauptstadt München ermöglicht.
In Lesung & Gespräch Teresa Arijón, Bárbara Belloc
Moderation Silke Kleemann
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Ort:
Haus für Poesie
Google Maps
Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei)
10435 Berlin -
Eintritt:
8/5 €
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