33. Open Mike:
Auszeichnungen für Hannah Beckmann und Nea Schmidt

v.l.n.r.: Dana Vowinckel, Yevgeniy Breyger, Hannah Beckmann, Nea Schmidt, Katharina Schultens © Natalia Reich

Zum 33. Mal fand an diesem Wochenende der Open Mike – Wettbewerb für junge Literatur statt, erstmals im silent green Kulturquartier in Berlin. Aus über 600 Bewerbungen waren zwölf Finalist:innen ausgewählt worden, die ihre Texte live in der Kuppelhalle präsentierten.

Die Jury – bestehend aus Yevgeniy Breyger, Jackie Thomae und Dana Vowinckel – zeichnete zwei Autorinnen aus:

Ein Preis für Lyrik ging an Nea Schmidt für ihren Text Lorem ipsum, ein zweiter Preis für Prosa an Hannah Beckmann für Fortuna. Die mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Auszeichnungen wurden zu gleichen Teilen vergeben.

Darüber hinaus sprach die Jury zwei lobende Erwähnungen aus: Anastasia Averkova erhielt eine Anerkennung für ihr Gedicht hier riecht der frieden nicht, Cornelius Müller für seinen Prosatext Aschenbecher, Chromgold, bis die Hand von meiner Schulter fällt.

Der taz-Publikumsjury-Preis ging ebenfalls an Hannah Beckmann für Fortuna.

 

Die Begründungen der Jury:

Preis für Lyrik für Nea Schmidt:

Reicht es aus, die eigene Dummheit auf einem Servierteller zu präsentieren, die bloß sogenannte Weisheit zu bemühen, im Nichtwissen läge die Erkenntnis? Über wie viele Zeilen trägt dieses Bild? In den Gedichten, die wir dieses Jahr mit dem Lyrikpreis des 33. Open Mike auszeichnen, ist diese Idee nichts weiter als ein Nebenschauplatz. Ein unerschöpfliches, strudelndes Ideenquell, das sich mit höchster Intelligenz zu einem gleichermaßen privaten wie politischen Lebensratgeber fügt. Diese Gedichte sind für alle, die nicht wissen, weswegen sie am Leben sind, denn sie verraten das größte Geheimnis: „Glück ist Liebe. Alle sollen froh sein, einfach und sanft. Das Leben ist ein Club. Mach einfach mit.“ Wir gratulieren Nea Schmidt zum Lyrikpreis des Open Mike 2025. 

Preis für Prosa für Hannah Beckmann:

In dieser Zeit hat wirkliche Aufrichtigkeit ein geradezu radikales Potenzial. Anstelle von Larmoyanz tritt Humor, anstelle von Stereotypen finden wir glaubwürdige Figuren, über die und aus denen heraus erzählt wird. Ohne erhobenen Zeigefinger  wird uns das Herz erst geöffnet und dann gebrochen  Wir zeichnen Hannah Beckmann für ihren Text Fortuna mit dem Prosapreis des 33. Open Mike aus, für einen Text, der wahre Sincerity erzählt.

Lobende Erwähnung für Cornelius Müller: 

Für einen Text, der Popliteratur ins Jahr 2025 überführt und zeigt, wie warmherzig und sozialkritisch sie sein kann.

Lobende Erwähnung für Anastasia Averkova: 

Für flirrende, evozierende Bilderkraft in ihren Gedichten. 

 

 

Biografien:

Anastasia Averkova, geboren 2003, studiert Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften in Dresden. Ihre Gedichte werden veröffentlicht in Anthologien wie der des Bundeswettbewerbs für junge Lyrik lyrix oder dem Jahrbuch der Lyrik sowie in Zeitschriften wie Manuskripte. Lesungen u.a. beim Poesiefestival Berlin und der Frankfurter Buchmesse.

Hannah Beckmann, geboren 1993, studierte Medizin in Hamburg, Literarisches Schreiben in Leipzig und arbeitet in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Seit Abschluss ihrer Promotion zum Thema Dissoziation schreibt sie am liebsten Fiktion. Ihre künstlerischen Arbeiten waren u.a. in Akzente, metamorphosen und BELLA triste zu lesen, beim 4+1 – ein treffen junger autorInnen am Schauspiel Leipzig zu sehen und als Hörspiel bei Deutschlandfunk Kultur zu hören. 2024 war Hannah Preisträgerin des Textstreich-Wettbewerbs, ausgeschrieben vom Haus für Poesie, LITERAARE und manuskripte. Seit letztem Sommer organisiert sie zusammen mit anderen Schreibenden die Solidarische Lesebühne Leipzig.

Cornelius Müller ist im Schwarzwald aufgewachsen und lebt in Basel. Er befindet sich in der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und forscht zur Reduktion von Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie. In seinem Schreiben interessiert er sich für Hierarchien unter Dorfjungs, den Umgang mit Verletzung und die Suche nach einer Realität, die uns stützt.

Nea Schmidt, 1995 in Leipzig geboren, absolvierte zunächst ein interdisziplinäres Bachelor-Studium mit dem Schwerpunkt Geschichtsphilosophie und Medientheorie an der Universität Lüneburg, anschließend studierte sie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Seit 2023 setzt sie ihr Studium im Master Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien fort. Sie erhielt Stipendien und Aufenthalte in Bordeaux, Jerusalem, Wien und New York. 2022 gründete sie das Lyrikkollektiv fährten. Texte von ihr – veröffentlicht sowohl unter dem Namen Nea Schmidt als auch Lena Schmidt – erschienen u.a. in Edit, Manuskripte, Perspektive, Literatur und Kritik und Freie Assoziation. Darüber hinaus arbeitet sie an Übersetzungen für den Merve Verlag und realisierte Inszenierungen gemeinsam mit Charlotte Oeken sowie dem Kollektiv Anti in Leipzig und Zürich.