Book Launch: Am Meerschwein übt das Kind den Tod
With Nora Gomringer

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© Judith Kinitz

Please note that the event will be held in German.

Wir feiern am Ersterscheinungstag die Premiere von Nora Gomringers (geboren 1980 in Neunkirchen) neuem Buch Am Meerschwein übt das Kind den Tod (Voland & Quist 2025). Es ist ein Text, für den sie kurzerhand eine eigene Gattungsbezeichnung erfand: ein Nachrough. Es geht um ein aufgerautes Nachrufen in Richtung der verstorbenen Mutter. „Ich schreibe ihr hinterher als vermissende Tochter, als wütende Frau, als verstummte Dichterin und wundere mich, wie wenig sie sich beschwören lässt, wenn ich es will.“ Dem Text, eine Art lyrisches Memoir, ist ein Motto von Cicero vorangestellt, das den Leser:innen früh die Richtung weist: „Die Zeiten sind schlecht. Kinder gehorchen ihren Eltern nicht mehr und alle schreiben ein Buch.“ Berichtet wird von Erfahrungen mit der Trauer, von der es heißt, sie verlangsame den Geist, gleichzeitig geht es weit zurück in die Kindheit, als ausrangierte Fahrradschläuche noch kniehohen Seepferdchen glichen, Meerschweinchen Paula hießen und von Rottweilern namens Jago totgebissen wurden. Die Erinnerung an die Mutter, welche Bücher, Astrologie, Autos und schnelles Fahren liebte, wird zu einem „Gang durch ein Museum mit wechselnder Hängung“. Aus ihr wird eine Erzählte, die sich ihrer Tochter im Augenblick des Erzähltwerdens noch einmal offenbart. Dabei misstraut Gomringer vermeintlich gesicherter Erinnerung, weiß im Moment nur eins: „Die Trauer handelt an dir.“ Beschrieben werden die „innigen und mächtigen Momente“ ihrer Eltern, zwischen die man nicht kommen durfte, die Tränen der Mutter, die sie in Abwesenheit des Mannes vergoss. Insgesamt schildert der Nachrough den Prozess eines Erwachsenwerdens, der erst endet mit dem Tod der Mutter.

Vorab versprach Nora Gomringer ihrem Verleger: „Es wird ein lustiges Buch!“ Sie hielt Wort. Zwar ist es ein Dokument der Todessichtigkeit, gleichzeitig bleibt es frei von jeglicher Morbidität. Es ist gehalten im so typischen Gomringer-Ton, für den sie nicht von ungefähr mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor aus- gezeichnet wurde. Eines der Kapitel trägt den Titel: „Zweifel, Dreifel, Feivel. Zum Mauswandern: alles!“

In Lesung & Selbstgespräch Nora Gomringer