rückkehr von krähe
An evening with Ulf Stolterfoht
Please note that the event will be held in German.
Neben seinem Langzeitprojekt, den fachsprachen-Bänden, verfasste der Lyriker Ulf Stolterfoht (geboren 1963 in Stuttgart) bisher zwei Langgedichte: holzrauch über heslach (Urs Engeler Editor 2007) und neu-jerusalem (kookbooks 2015). In diesem Jahr erscheint ein drittes: rückkehr von krähe (kookbooks 2025). Die Leser:innen begegnen dem titelgebenden Vogel zunächst in „prosaischer ödnis“, an einem Ort, wo Bussarde im Pesthauch stehen, Biber bis an den Bach reichen und die Knochen von „rünstigen riesenwaranen“ herumliegen. Irgendwo also zwischen „hyäne und schakal, waller und aal“. krähe, ein „kolkraben-hybride“, ist eine Trickster-Figur, ein Gestaltenwandler, irgendwas zwischen Hase, Koyote, Schildkröte und Schelm. Er wechselt Hautfarbe und Geschlecht, stirbt und kehrt ins Leben zurück. Das Gedicht gewährt Einblicke in die Wechselfälle seines verschlungenen Werdegangs, angedickt mit Zitaten aus Literatur, Musik, Film und Fernsehen. Den Weg von krähe kreuzen alte Bekannte aus dem Stolterfoht-Kosmos: Dan Vulcanescu, der Semiotiker Artur Verweyser, das Weibchen feat. Djane Husserl. Während seiner Zeit als „ladenschwengel bei einem schorndorfer herrenausstatter“ radikalisiert krähe sich selbst bei gemeinsamer Engels-Lektüre mit Lehrlingen einer benachbarten Schraubenfabrik. Vielfältig ist er verstrickt mit der Schöneberger Kommune. Später (oder früher, die zeitliche Abfolge ist nicht immer ganz klar) lernt er das Dichten in Kiel, wird gepriesen für seine „süßen, lyrischen registerwechsel“, seine „entgrenzten kadenzen“. Davor (danach?) wird er Schauspieler in Deutschland, dann Hollywood. Irgendwann hat er mal einen Mäzen, einen gewissen Kalkbrenner, einen Jesuiten aus dem Steirischen Klerikaladel. Dann wieder gründet er eine Band, 1974 war das: krähe & die vögel. Ein Abriss der vierjährigen Bandgeschichte sowie eine Diskographie findet sich in Kapitel 11. Kapitel 12 enthält einen überaus lehrreichen Leitfaden, wie man selbst eine Krähe werden kann. Ein Meta-Teil (Kapitel 13) liefert die Kritik zum vorliegenden Buch gleich mit, sie fällt erstaunlich nüchtern aus: „rückkehr von krähe, so innovativ sein ansatz auch sein mag, reitet nun doch ein bisschen zu sehr auf der neuen welle: lieder, märchen, zaubersprüche, überhaupt die ganze tradition der mündlichkeit – adapiert, verschriftlicht und dann entsprechend modisch aufgekocht! wo doch das ganze zeug mit den journalen der anthropologen und ethnographen beerdigt sein sollte.“
Die Stichhaltigkeit dieser Kritik kann an diesem Abend überprüft werden.
In Lesung & Gespräch Ulf Stolterfoht
Moderation Marcel Beyer
-
Location:
Haus für Poesie
Google Maps
Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei)
10435 Berlin -
Admission:
8/5 €
- → Book tickets