Wed,
19:30
nüchterne Inbrunst
An evening with Sonja vom Brocke & Michael Donhauser
Please note that the event will be held in German.
An diesem Abend treffen zwei Autor:innen aufeinander, deren Gedichte auf vielfältige, zunächst nicht immer offensichtliche Weise miteinander verbunden sind.
An diesem Abend treffen zwei Autor:innen aufeinander, deren Gedichte auf vielfältige, zunächst nicht immer offensichtliche Weise miteinander verbunden sind.Blauer Ton (kookbooks 2025) ist Sonja vom Brockes (geboren 1980 in Hagen) fünfter Gedichtband. Gleich zu Beginn des Buches wird ein eindeutiges Signal gegeben: „Jetzt also nicht dem Morgen anvertrauen.“ Das, was sich „in Schrift verhakt“, soll Nacht sein – eine Nacht, die, so kann man es deuten, dem Schreiben „zuinnerst gleicht“, bis der Morgen kommt und Trägheit „durch den Rollladenschlitz streut“. Es ist ein dem Dunkel anvertrautes Sprechen – dunkel jedoch nicht, weil es sybillinisch verrätselt wäre, sondern weil über Verlust Auskunft gegeben wird, über die gewaltsame Unterbrechung einer ursprünglichen Verbindung. (An einer zentralen Stelle später im Buch wird der Kummer ein „Kohleklump“, der seinen Ruß ausstreut.) Alles, was gesagt wird, wird klar gesagt – aber mit dezidiert dichterischen Mitteln. Die in dem Band versammelten Texte führen die Leser:innen in Unterwelten aller Art: in Dantes Limbus der ungetauft verstorbenen Kinder etwa oder in Höhlen, deren Wände Tiermalereien aus dem Paläolithikum zieren. Es geht um Höhlen-Leib-Vibrationen, Trauer, Trost und Sorge – über den Tod hinaus. Der Blaue Ton des Titels ist mehrdeutig, wird aber in einem der Gedichte zur Verkörperung auch eines ästhetischen Ideals. Im Lehmtonleib, der in „bebender Ruhe“, kalt und schwer, da steht, kann „verwirktes Glück“ verwirklicht werden, „sein Beben (er)läutert’s“.
Viele der Gedichte in Sonja vom Brockes Buch entstanden in der Auseinandersetzung und im Dialog mit anderen Texten und Autor:innen. Einer von ihnen ist Michael Donhauser (geboren 1957 in Vaduz). In diesem Jahr erschien bei Matthes & Seitz der Sammelband Unter dem Nussbaum mit Texten, Lyrik und Prosa, aus 37 Jahren. Enthalten sind Ding- und Lobgedichte, Dreizeiler, Dyptichen in Prosa, Elegien, Lieder und Sonette. Viele der Texte sind ausgreifende Meditationen, die sich in immer neuen Anläufen ihrem jeweils gewählten Gegenstand nähern, ihn durchleuchten und mit Sprache gleichsam umstellen. Alles ist zunächst Anschauung, bevor es Wort wird. Immer geht es um den einen „Atemzug Aufmerksamkeit“, gleichgültig, ob nun eine Amsel „im blättrigen Lehm des Nachwinters“, ein Packpapier im Wind oder das Reifenprofil eines Traktors beschrieben wird, in dem sich das Wasser zur Pfütze sammelt. Donhauser denkt genauso über die Birnenähnlichkeit der Quitte im frühen Stadium nach wie über das Zögern in der Blüte einer Schwertlilie. In einem gewöhnlichen Gestrüpp vermag er die Auflehnung gegen „die Beliebigkeit der sonntäglichen Sätze“ zu erkennen und an einem nicht minder gewöhnlichen Misthaufen preist er das „Schönbrunngelbe“. Er bemerkt die „nüchterne Inbrunst“, mit welcher der Kies nass sein kann, beschreibt die „gegenläufige Bewegung zwischen Mündung und Meer“, die mit Nebel untermischten Abende und die Früchte eines Nussbaums, die „in den Schelfen verschlossen“ ruhen.
Sonja vom Brocke und Michael Donhauser lesen aus ihren Büchern und werden von Norbert Lange befragt.
In Lesung & Gespräch Sonja vom Brocke, Michael Donhauser
Moderation Norbert Lange
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Location:
Haus für Poesie
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Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei)
10435 Berlin -
Admission:
8/5 €
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